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„Das Werk Wolfgang Gäfgens beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Zeichnung. Indem er sie als künstlerische Ausdrucksform wählt, zeigt er seine Überzeugung, dass der Gedanke von einer Form umschlossen ist, der er, durch seine ihm eigene Fähigkeit zur Veränderung, wieder entgleitet. Zeichnen heisst, den Gedanken zu empfinden, wie er die Materie durchläuft, wobei sein anderer Teil, sein immaterieller Charakter, aufs Spiel gesetzt wird. Zeichnen heisst, sich inmitten des vitalen Widerspruches zwischen Materialität und Immaterialität zu bewegen.

Zeichnen ist für Wolfgang Gäfgen eine schöpferische Tätigkeit, die nicht dahin tendiert, sich in einer Ausdrucksweise zu erschöpfen. Die Idee sucht hier ihre eigene Form, und diese Form ist in der Kunst weder Wort noch Satz. Wolfgang Gäfgen ist sich dessen bewusst, dass der Gedanke eines Künstlers sich nicht in einem sprachlichen Gefüge konkretisieren lässt. Durch seine Begegnung mit Literatur und visuelle Poesie ist ihm bewusst, dass der künstlerische Gedanke einer des Bruches mit den Worten ist, der, genauer gesagt, sogar ein Wissen darum ist, wie er sich von den Wegen der Worte entfernt. Er sucht die schöpferische Form, wobei er zeigt, dass – bezogen auf die Kunst – die Stille ein grundlegendes Element darstellt. Die Figuren, die er zeichnet, werden lebendig, weil es jemanden oder etwas Sprachloses gibt. […]



  Landschaften, durchfurchte Erde, Stoffe, Falten, Knoten, geknüpfte und gelöste Bänder, Flüssigkeiten und Auffanggefäße, der gezogene, aufgelöste, unterbrochene Kreis, die Linie in der Luft, eine Anreihung von Formen, Karten, mobile Vernetzungen, Verästelungen, Elastizität, die Bewegung von Wesen in der Nacht. Es handelt sich um Standortwechsel, die dem, was wir Körper nennen, vorgeschlagen werden. Das Entscheidende ist, dass sich hier der Körper seiner veränderten Natur überlässt, flüchtig, so, wie er ist, im Kampfe mit dem Geist, der ihn verändert und ihn von einem Zustand in einen anderen Zustand überführt. Dies geschieht abtastend, schweigsam dahingleitend, dahin, wo alles in Bewegung ist. [...]

Er zeichnet aus den Zuständen des Verlangens, der Unruhe oder auch der Harmonie heraus das offene Imaginäre, welches vielleicht unsere einzige Chance ist, die Materie, fern von den Toten, die dieses Jahrhundert geprägt haben, zu verstehen. Seine Arbeit reflektiert eine wandelbare, sinnliche Wirklichkeit, die sich aus der Überraschung über die sich ablösenden Geburten heraus entwickelt, welche der Geist und die Hand von Zeichnung zu Zeichnung hervorlocken.“

aus: Olivier Kaeppelin, Zeichnen, in: Wolfgang Gäfgen, Holzdruck – Papierschnitt – Zeichnung 1988 – 1992, Städtische Galerie Albstadt 1992, S. 28ff. (dt.-frz.).