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Holzdrucke, druckgrafische Arbeiten

„Wolfgang Gäfgen genießt bereits seit einem halben Jahrhundert in Deutschland und in Frankreich einen ausgezeichneten Ruf als Zeichner und als bedeutender Schöpfer von Druckgrafik, was eine lange Reihe von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen belegt. So war er zum Beispiel 1977 mit einem Block von Zeichnungen auf der documenta 6 vertreten. Die Grundlagen für seine Meisterschaft in der Handhabung der druckgrafischen Verfahren erarbeitete er sich bereits früh, zunächst während seines Studiums an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste bei Karl Rössing und später dann in Paris unter anderem durch seine enge Zusammenarbeit mit Johnny Friedlaender. Während seiner Professur für Freie Grafik und Malerei in Stuttgart zwischen 1983 und 2002 prägte er selbst wiederum junge Künstler. Waren lange die Radierung und zuletzt das vom Künstler virtuos eingesetzte Mezzotinto die bevorzugten druckgrafischen Medien von Wolfgang Gäfgen, so wandte er sich Ende der 1980er Jahre dem großformatigen Holzdruck zu, ermöglichte ihm diese Technik doch den flächigen Einsatz der Farbe sowie bisher nicht gekannte übermannshohe Formate. […]

Die Hinwendung des Künstlers zum Hochdruck geschah vor dem Hintergrund einer breiten Neubewertung des Hochdrucks seit den 1980er Jahren. In dieser Auseinandersetzung neuer Generationen mit dem traditionsreichen Medium zeichneten sich von Anfang an deutlich zwei Entwicklungslinien ab: Einerseits gab und gibt es den figurativ-erzählerischen Ansatz, andererseits aber auch immer die Ausrichtung auf die autonome, häufig konzentriert zeichnerische Form. Wolfgang Gäfgens Holzdrucke sind keinem dieser beiden Lager zuzuordnen, der Künstler vertritt vielmehr eine ausgesprochen eigenständige Position. Alles gemeinhin als typisch „holzschnitthaft“ Charakterisierte, etwa jeglicher expressive Gestus, wird vom Künstler bewusst vermieden. Vielmehr ist seinen Großformaten, die sich formal vielfach mit seinen Zeichnungen berühren, eine spielerische Leichtigkeit eigen.


  Scheinbar mühelos erreicht Wolfgang Gäfgen in seinen Arbeiten eine überzeugende Balance zwischen den deutlichen Bezügen zur gesehenen und erinnerten Wirklichkeit und einem Repertoire an autonomen Formen und Linien. Gegenständliches unterschiedlichster Provenienz – vom kunstgeschichtlichen Zitat bis zum unspektakulären Alltagsgegenstand – begegnet dem Betrachter in beinahe jeder Arbeit des Künstlers. Die im visuellen Bildgedächtnis gesammelten Motive werden im kreativen Prozess allerdings verwandelt und lassen ihre gegenständliche Bedeutung weitgehend hinter sich. […]

Einer der Gründe, sich vor zwei Jahrzehnten dem großformatigen Hochdruck zuzuwenden, war für Wolfgang Gäfgen die dem Verfahren inhärente Möglichkeit, die Farbe in der Fläche zu nutzen – eine Möglichkeit, die ihm die Radierung zuvor nicht geboten hatte. Gäfgens Verwendung der Farbe zeichnet sich dabei immer durch feinste Valeurs aus. Auch sind die Farbflächen in der Regel nicht homogen geschlossen, sondern duch zarte Binnenstrukturen verlebendigt, die vom Künstler in der Regel geschnitten werden oder in denen sich zum Teil auch die Materialität der von Gäfgen ausschließlich als Druckstöcke benutzten Sperrholzplatten niederschlägt. Gerade diese Qualitäten der Farbflächen sind nur im aufwendigen Druck im Handabrieb zu erreichen. So ist der vom Künstler stets mit großer Konzentration in Angriff genommene Druckvorgang für Gäfgen selbstverständlich integraler Bestandteil der künstlerischen Arbeit. Ist das eine Blatt gedruckt, so ist die Arbeit abgeschlossen – es bleibt bei einem Abzug. Allerdings können einzelne Formen und Strukturen dem Betrachter in neuen Konstellationen noch einmal begegnen, da Wolfgang Gäfgen ein ihn interessierendes Thema häufig in einer kleinen Serie etwa als Diptychen oder Triptychen umkreist, von denen nun einige auch in unsere Sammlung gelangen. […]“

aus: Herbert Eichhorn, Leiter des Städtischen Kunstmuseums Spendhaus Reutlingen, in: Wolfgang Gäfgen, Holzdrucke, AKat. Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen, Stuttgart 2010,
S. 4f..